Der digitale Referenz-Scan von recom art care: Warum eine Messung heute über den Zustand von morgen entscheidet
Ein Zustand, der sich verändert — und selten festgehalten wird
Kunstwerke altern. Das gilt für Gemälde ebenso wie für Fotografien, Drucke oder fotografische Abzüge. Farben verschieben sich, Oberflächen verändern sich, Materialien reagieren auf Licht, Temperatur und Zeit. Was sich dabei selten verändert: die Überzeugung, dass das Original noch so aussieht wie bei seiner Entstehung.
Wer später reproduzieren, restaurieren oder schlicht dokumentieren möchte, steht oft vor derselben Frage: Wie hat dieses Werk genau ausgesehen — und wie können wir das heute noch verlässlich feststellen?
Die Antwort, die wir bei recom art care entwickelt haben, ist der digitale recom-Referenz-Scan.
Was ein Referenz-Scan leistet
Ein Referenz-Scan ist mehr als eine hochauflösende Digitalisierung. Er ist eine präzise, messbare Zustandsdokumentation des Originals zum Zeitpunkt der Aufnahme.
Mit unserem CRUSE-Scanner und dem portablen DOM erfassen wir dabei nicht nur das Erscheinungsbild der Vorlage — wir messen es. Über ein Spektralfotometer werden die Lab-Farbwerte direkt auf der Vorlage aufgenommen und in die digitale Datei eingebettet. Der Scanner wird dabei zum Farbmessgerät; die entstehende Datei ist nicht nur ein Abbild, sondern ein messbarer Beweis.
Das Ergebnis ist ein farbverbindlicher digitaler Proof: eine Datei, die mit objektiven Werten agiert und — bei fachgerechter Datenmigration — auch langfristig ihre Aussagekraft behält. Sie unterliegt keinem Alterungsprozess durch Umwelteinflüsse.
Bei 90 % aller Vorlagen erreichen wir in diesem Prozess eine Farbtoleranz von weniger als ± 2 %. Diese Datei dient in der Zukunft als verlässliche Referenz — für Reproduktion, für Restaurierung, für die wissenschaftliche Dokumentation.
Warum eine Datei allein nicht reicht
Besonders bei Werken digitalen Ursprungs — also bei Fotografien oder Drucken, die aus einer digitalen Datei entstanden sind — stellt sich ein Problem, das häufig unterschätzt wird.
Eine Datei allein sagt wenig darüber aus, wie ein Werk zum Zeitpunkt seiner Freigabe durch den Künstler tatsächlich ausgesehen hat. Gibt man dieselbe Datei an drei verschiedene Dienstleister, erhält man — trotz standardisierter Prozesse — drei unterschiedliche Ergebnisse. Wiederholt man den Versuch fünf Jahre später, sind die Abweichungen noch größer: Maschinen, Materialien und Software haben sich verändert.
Nur Dateien, die Lab-Werte enthalten, stellen eine geräteunabhängige Referenz dar.
Deshalb halten wir bei Werken digitalen Ursprungs unmittelbar nach der Erstproduktion die Messwerte des ausgegebenen Abzugs fest. Ein neues Digitalisat wird erstellt, das exakt diese Farb- und Kontrastwerte dokumentiert. So sind Referenzdatei und physische Ausgabe messbar identisch — und diese Übereinstimmung lässt sich auch in Jahrzehnten noch nachvollziehen.
Der konservatorische Wert
Der Referenz-Scan ist nicht nur ein Werkzeug für die Reproduktion. Er ist aus konservatorischer Sicht ebenso relevant.
Die entstehende Datei dient als anwendbare Zustandsdokumentation der Oberfläche: Sie bildet die Grundlage, um spätere Schäden und Veränderungen am Original zu erfassen — über lange Zeiträume hinweg, mit messbaren Werten statt subjektiver Einschätzung.
Diesen Ansatz haben wir auch in einem Forschungsprojekt angewendet: In Kooperation mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Studiengang „Konservierung und Restaurierung von Kunstwerken auf Papier, Archiv- und Bibliotheksgut“, wurden im Rahmen des Projekts „Nachhaltige Rahmung von Großfotos“ Alterungstests unter konstanten Klima- und Lichtbedingungen durchgeführt — ergänzt durch den Oddy-Test für alle in der Produktion verwendeten Materialien. Über den Referenz-Scan wurden die Farbwerte der Proben vor und nach den Tests dokumentiert und ausgewertet.
Was bleibt
Natürlich dokumentiert ein Referenz-Scan immer nur den Zustand am Tag der Aufnahme. Rückschlüsse auf den ursprünglichen Zustand eines Werkes zum Zeitpunkt seiner Entstehung sind nicht möglich — das ist eine klare Grenze, die wir benennen.
Was aber möglich ist: Ab dem Moment der Digitalisierung liegt eine objektive, messbare, geräteunabhängige Referenz vor. Für Künstler, für Sammlerinnen und Sammler, für Konservierende und Restaurierende. Eine Grundlage, die nicht verblasst.
Do it once. Do it right.
Sprechen Sie uns an, wenn Sie mehr über den Referenz-Scan erfahren möchten oder ein konkretes Projekt besprechen wollen.